AutoCruiser – Eine völlig neue Kategorie der Fördertechnik

Bisher war die Welt des innerbetrieblichen Transports von Kleinteilen, Kartons oder Behältern klar aufgeteilt in drei Bereiche. Den Einstieg bilden Gabelstapler, für höhere Durchsätze werden fahrerlose Transportsysteme (AGV) verwendet und bei noch höheren Anforderungen wird Fördertechnik in Form von Gurt- oder Rollenförderern eingesetzt. Diese Dreiteilung der Fördertechnikwelt wird nun aus zwei Richtungen um neue Ansätze ergänzt.

Zum einen sind dies Regalfahrzeuge (Shuttle), die sich auch außerhalb des Regals bewegen können. Genau genommen sind es keine reinen Förderer, sondern vielmehr kleine Regalbediengeräte, die zusätzlich auch die Strecke zwischen Regal und Arbeitsplatz bzw. Verwendungsort überwinden können.

Ein anderer Ansatz ist der auf der CeMAT 2011 vorgestellte AutoCruiser von SSI Schäfer. Hierbei handelt es sich um ein reines Transportmedium, das die Leistungslücke zwischen Gabelstapler und AGV einerseits und klassischer Fördertechnik andererseits schließt. Der innerbetriebliche Transport mit Gabelstapler oder AGV stößt bei einer Transportleistung von ca. 50 – 100 Fahrten pro Stunde an seine technische und wirtschaftliche Grenze. Fördertechnik hingegen kennt, abhängig von den eingesetzten Transferelementen auf einer Linie, erst bei ca. 1.500 bis hin zu 6.000 Transporten pro Stunde eine technische Leistungsgrenze. Aufgrund der Investitionskosten ergibt sich bei Fördertechnik allerdings eine wirtschaftliche Untergrenze von mindestens 400 bis 600 Transporten pro Stunde. Vereinfacht ausgedrückt, kostet Fördertechnik dasselbe, egal ob sie 500 oder 1.500 Pakete oder Behälter pro Stunde transportiert. Und damit wird klassische Stückgutfördertechnik bei zu geringen Durchsätzen häufig unwirtschaftlich.

Genau hier setzt der neue AutoCruiser an. Er vereint Ansätze von frei fahrenden Fahrzeugen mit Prinzipien von Stückgutfördertechnik. Wie die Fördertechnik verwendet auch der AutoCruiser installierte Bahnen. Diese sind jedoch weder angetrieben noch verkabelt oder von einer SPS bzw. einem Materialflussrechner gesteuert. Die Bahnen des AutoCruiser haben vielmehr Ähnlichkeit mit dem Schienensystem einer Eisenbahn – allerdings ohne die Oberleitung, die braucht der AutoCruiser nicht. Auf den Bahnen fahren einfache Fahrzeuge mit eigenem Antrieb und eigener Energieversorgung (Batterie).

Dieses Grundprinzip führt zu einigen sehr attraktiven Eigenschaften des AutoCruiser:

  • Die Strecken sind sehr preisgünstig. Ein Meter gerade Strecke kostet weniger als 90 €, die benötigten Stützfüße (ca. alle 2,5 m) bereits einkalkuliert.
  • Durch das schienengebundene System sind die Fahrzeuge weniger komplex als freifahrende AGVs oder Shuttles. Damit ist der AutoCruiser zum einen wesentlich robuster und zuverlässiger und zum anderen auch unschlagbar preisgünstig.
  • Die Leistung einer AutoCruiser Anlage kann an den jeweiligen Bedarf angepasst werden. Durch Hinzufügen oder Entfernen von Fahrzeugen kann die Leistung gesteigert oder reduziert werden.

Natürlich hat auch das System AutoCruiser seine Grenzen. Je nach verwendeten Transferen, z.B. Weichen oder Drehteller, erreicht eine AutoCruiser Linie einen Durchsatz von ca. 250 bis 600 Transporten pro Stunde.

Die Investitions- und Inbetriebnahmekosten des AutoCruiser sind sehr gering und deshalb rechnet sich das System meist schon ab ca. 30 bis 50 Transporten pro Stunde. Oder anders ausgedrückt, ist der AutoCruiser wirtschaftlich sinnvoll bis hin zum 10-fachen der anfänglichen Leistung einsetzbar. Eine so große Skalierbarkeit, gleichzeitig technisch und wirtschaftlich, erreicht keine andere Fördertechnologie.

Aber wie schafft es eigentlich der AutoCruiser ohne SPS oder Materialflussrechner sein Ziel zu finden? Jedes Fahrzeug verfügt über eine kleine Tasche zum Einstecken von Zielkarten. Beim Beladen wird dem Fahrzeug also gleichzeitig ein kleines Zielkärtchen mitgegeben, etwa “Fertigwarenlager” oder “Versand”. Auf der Karte ist das Ziel nicht nur in Klarschrift oder als Symbol, sondern auch in maschinenlesbarer Form – als Barcode – mit aufgedruckt. An jedem Verzweigungspunkt der Strecke, also zum Beispiel bei einer Weiche, wird nun dieses Kärtchen durch einen Barcodescanner gelesen. In der Steuerung der Weiche ist eine Verzweigungstabelle hinterlegt und diese führt dann das Fahrzeug in die gewünschte Richtung. Es ist so ähnlich wie mit den Wegschildern an einer Kreuzung. Etwa nach “Musterhausen” geht es links und nach “Testheim” geradeaus.

Aber erfordert nicht die Programmierung dieser Verzweigungstabellen eine Steuerung und einen zentralen Rechner? Nein, denn auch hier verfügt das System AutoCruiser über eine verblüffend einfache Lösung. Über eine spezielle Lernkarte wird die Steuerung einer Weiche, eines Drehtellers etc. in einen Programmiermodus geschaltet. Diese Karte sieht erst einmal genauso aus wie die normalen Zielkarten. Allerdings ist auf ihr kein Ziel abgebildet, sondern der aufgedruckte Barcode ist speziell dafür da, die Weichensteuerung in den Programmiermodus zu schalten. Anschließend werden am Barcode-Leser der Weiche alle Zielkarten gescannt, bei denen die Weiche ausschleusen soll. Dann muss man noch mit einer weiteren speziellen Karte den Programmiermodus abschließen und das war’s schon.

Eine typische AutoCruiser Anlage besteht aus ca. 10 bis 30 solcher Weichen oder anderer Verzweigungsstellen. Da diese so extrem einfach zu programmieren sind, ist die Inbetriebnahme des AutoCruiser schnell und kostengünstig. Auch bei späteren Änderungen der Streckenführung oder Erweiterungen der Anlage ist das Umprogrammieren der Weichen ein Kinderspiel.

Wenn Sie mehr über dieses einzigartige und dennoch so verblüffend einfache System für den innbetrieblichen Transport wissen wollen klicken Sie hier.

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