Locatoren-Lagerung, Teil 2: Voraussetzungen und Vorteile

Einlagerung ins Locatoren-LagerIm ersten Teil dieses Blog-Artikels habe ich die Einrichtung eines Lagers nach dem Locatoren-Prinzip beschrieben. In diesem Teil geht es um die Voraussetzungen, die diese Lagerform besonders rentabel machen und die Vorteile, die sich in der Praxis ergeben.

Welche Voraussetzungen braucht ein Locatoren-Lager?

Oder anders ausgedrückt: Wann kommen die Vorteile eines Locatoren-Lagers besonders deutlich zum Tragen? Die Erfahrung zeigt, dass Locatoren-Lagerung immer dann eine Überlegung wert ist, wenn eine überschaubare Anzahl von Artikelpositionen gelagert werden soll, bei der sich einzelne Artikel in Form, Größe und Gewicht, etc. stark unterscheiden. Das ist zum Beispiel bei Ersatzteilen in der Automobilindustrie der Fall. Der Umfang des Lagers insgesamt sollte bei mindestens 1.000 Positionen liegen, andernfalls wäre der Betrieb mit einer anderen Lagerform besser beraten.

Dazu gehört auch, dass die einzelnen Artikel ausreichend lange im Sortiment bleiben, um den Aufwand der Datenerfassung und Einordnung zu rechtfertigen. Das Beispiel einer Werkstatt ist hier wieder sinnvoll: Wenn ein Auto-Hersteller ein neues Modell auf den Markt bringt, können sich die Reparatur-Betriebe darauf verlassen, dass die dazu passenden Ersatzteile viele Jahre lang gleich bleiben werden.

Darüber hinaus sollte das Sortiment überwiegend aus mittel- bis langsamdrehenden Positionen bestehen. Logistikzentren, die mehrheitlich Schnellläufer lagern, fahren mit anderen Lagerformen gewöhnlich besser. Das setzt natürlich voraus, dass die Umschlaghäufigkeit der Artikel im Großen und Ganzen bekannt ist.

Bei einer chaotischen Lagerung ist wie erwähnt die Verwechslungsgefahr gering, weil gleichartige Artikel nicht direkt nebeneinander gelagert werden. Im Locatoren-Lager kommt dies aber häufig vor. Also muss sich das Personal besser mit den Produkten auskennen, um diesen Umstand auszugleichen. Eine geringe Personalfluktuation ist deshalb wünschenswert, was sicher leichter zu erreichen ist, wenn keine nennenswerten saisonalen Schwankungen im Absatz auftreten.

Die genannten Voraussetzungen stellen für Autohäuser, Werkstätten und ähnliche Betriebe für gewöhnlich kein Problem dar. So sind es in der Praxis vor allem diese Unternehmen, die von den Vorteilen profitieren. Und die Vorteile eines Lagers nach dem Locatoren-System sind in der Tat überraschend, wenn man bedenkt, dass es auf dem altbekannten Festplatzlager-Prinzip aufbaut.

Kommissionieren im AutohausWelche Vorteile bietet ein Locatoren-Lager?

Am deutlichsten wirkt sich der optimierte Platzbedarf aus. 50% Raumersparnis sind dabei keine Ausnahme, wodurch auch die Betriebskosten (Heizung, Lüftung, Reinigung etc.) entsprechend zurückgehen. Weiterhin verringert sich der Zeitaufwand zur Einlagerung und Kommissionierung um 50-70%. Sie könnten Ihr Personal also für wichtigere Aufgaben einsetzen – ein dickes Plus bei hohen Personalkosten.

Weil der Computer die Bestände verwaltet und Zu- und Abbuchungen eindeutig geregelt sind, wird die Anzahl der Fehlerquellen reduziert und die Buchbestände stimmen häufiger mit den tatsächlichen Mengen überein. Das erleichtert die Inventur, zumal Inventuraufgaben in die normalen Tagesabläufe eingebunden werden können.

Im ersten Moment mag dabei der Gedanke aufkommen, ein kleineres Lager sei weniger leistungsfähig und würde der wirtschaftlichen Expansion des Unternehmens früher oder später im Weg stehen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die Verkleinerung des Lagers führt zu höherer Effizienz und wirkt sich dadurch positiv auf das Wachstum des Betriebs aus. Denn das Lager wird nicht wirklich verkleinert, sondern komprimiert.

Falls das Locatoren-Lager irgendwann dennoch an seine Grenzen stößt, kann es ebenso wie ein gewöhnliches Festplatzlager durch zusätzliche Lagerfläche und moderne Technologien (tragbare Barcode-Scanner, Pick-by-Voice) erweitert werden. Das Locatoren-Lager ist also kein abgeschlossenes System; stattdessen wächst es mit den Anforderungen des Betriebs mit.

Ein Locatoren-Lager bietet also eine Reihe von Vorzügen, die gerade kleineren Unternehmen, wie zum Beispiel Autohäusern und Werkstätten, den entscheidenden Wettbewerbsvorteil liefern können. Möchten Sie erfahren, wie das Locatoren-System zum Schutz der natürlichen Ressourcen beiträgt und der Wirtschaft als Ganzes nützt? Das ist das Thema des 3. Teils.

Related posts:

  1. Locatoren-Lagerung, Teil 1: Wie funktioniert die computeroptimierte Festplatzlagerung?
Dieser Beitrag wurde unter Intralogistik-Trends, Lagerung abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Responses to Locatoren-Lagerung, Teil 2: Voraussetzungen und Vorteile

  1. Pingback: Locatoren-Lagerung, Teil 1: Wie funktioniert die computeroptimierte Festplatzlagerung? | SSI SCHÄFER Blog

  2. Pingback: Locatoren-Lagerung, Teil 3: Lagern Deutschlands Autohändler Luft? | SSI SCHÄFER Blog

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>