Egal ob ein Rundgang auf der letzten CeMAT in Hannover oder eine Internet-Recherche zu Kommissionierverfahren, das Schlagwort “1.000 Picks pro Stunde” ist allgegenwärtig. Doch nicht überall wo “1.000 Picks pro Stunde” drauf steht, wird diese Leistung auch tatsächlich im Realbetrieb erreicht.
Das beginnt schon mit einer ganz einfachen Frage: “Wie viele Stück werden tatsächlich bei 1.000 Picks pro Stunde bewegt?” Oder um es mit einem Fachbegriff der Logistik auszudrücken: bei wie vielen Stück pro Zeile erreicht das beworbene System eigentlich 1.000 Picks pro Stunde? Es ist ein großer Unterschied, ob fünfmal der gleiche Artikel gepickt wird oder ein Auftrag aus fünf verschiedenen Artikeln mit jeweils einem Stück besteht.
Gemeinhin ist ein Pick definiert als der Kommissioniervorgang zur Erfüllung einer Auftragszeile. Wenn also ein Kunde 2 Paar Socken und 1 Armband bestellt, dann sind das zwei Auftragszeilen, eine mit 2 Stück und eine mit 1 Stück. Nach gängiger Definition entspricht dies zwei Picks. Einige Anbieter weichen hier gern auf eine andere Definition aus und sprechen von drei Picks, tun also so, als ob ein Pick einem zu kommissionierenden Stück entspräche.
Die Auftragsstruktur hat auch bei einem weiteren Aspekt einen großen Einfluss auf die tatsächlich erzielbare Leistung. 1.000 Picks pro Stunde gibt es nur bei sogenannten Ware-zum-Mann Arbeitsplätzen. D.h. die zu pickenden Lagerartikel werden automatisch zum Arbeitsplatz gefahren und dort – möglichst ergonomisch – angedient.
Eigentlich ist es ja ganz einfach: für den jeweils zu bedienenden Kommissionierauftrag müssen die gewünschten Artikel am Pick-Arbeitsplatz sein. Oder anders ausgedrückt: zeitlich perfekt synchronisiert treffen am Arbeitsplatz der Ladungsträger des Kommissionierauftrags und die Ladungsträger der benötigten Artikel zusammen. Und schon muss man wieder höllisch aufpassen unter welchen Randbedingungen dabei noch 1.000 Picks pro Stunde herauskommen.
Denn eine wichtige Frage ist, ob die Aufträge am Pick-Arbeitsplatz dabei auf 100, 1.000 oder 10.000 unterschiedliche Artikel zugreifen. Je größer die Artikelauswahl, desto schwieriger wird das Zusammenspiel aus Lagermaschine, Vorzone und Pick-Arbeitsplatz und gleichzeitig steigen die Leistungsanforderungen an die Peripherie um den Arbeitsplatz.
Das setzt neben den entsprechenden Komponenten auch ein tiefes Verständnis für die software-technische Steuerung solch eines Systems voraus. In der Leistungsklasse jenseits der 700 Picks pro Stunde beherrschen das nur ganz, ganz wenige Anbieter. Zumindest wenn es um reale Distributionsanlagen mit realen Auftragsstrukturen geht und nicht um ‘optimierte’ Umgebungen im Entwicklungslabor.
Natürlich spielt auch die Ergonomie eine große Rolle beim Erreichen von 1.000 Picks pro Stunde. Das ist weit mehr als körpergerechte Gestaltung mit geneigten oder gerundeten Arbeitsflächen, sondern umfasst den gesamten Kommissioniervorgang inklusive Augen und Gehirn. Das zu erörtern würde aber den Rahmen dieses Blog-Artikels sprengen. Ich werde deshalb einen zukünftigen Beitrag ganz dem Thema “Ergonomische Pick-Arbeitsplätze” widmen.