Maße mit System – Die Entwicklung standardisierter Behälter in der Logistik

euro-behaelter_euro-palette_ssi-schaeferIn fast allen Ländern der Welt wird heute das metrische System verwendet, im Rückblick ist das jedoch keine Selbstverständlichkeit. Von Provinz zu Provinz existierten über lange Zeit unterschiedliche Einheiten mit verschiedenen Definitionen.

Erstmals Ende des 18. Jahrhunderts wurde von der Pariser Académie des Sciences der Urmeter klar definiert und bis heute verständigten sich 200 Nationen auf dieses Maß. Damit wurde der Grundstein für weitere Standardisierungen gesetzt und machte die Entwicklung von Produkten wie dem Kleinladungsträger und dem Eurobehälter überhaupt erst möglich – im Markt gängige Behälterbezeichnungen, die wir intuitiv benutzen aber deren Bedeutung wir kaum hinterfragen.

Standardisierungen in der Logistikbranche

Ohne die Entwicklung einheitlicher Maße wäre die weltweite Industrialisierung nicht möglich gewesen. Auch die Logistikbranche war von Standardisierungen nicht ausgenommen. Der Boom im internationalen Güterverkehr und der steigende Bedarf an Lagekapazitäten erforderte ein einheitliches Maß für Ladungsträger. Auch das Militär war maßgeblich an der Entwicklung effizienter Ladungsträger beteiligt. Die großen Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erforderten das Verladen großer Materialmengen in kürzester Zeit. Davor wurden Waren über lange Zeit hauptsächlich als reine Stückgüter (Säcke, Fässer, Kisten) transportiert. Das Umladen war mühsam, zeitintensiv und Waren wurden leicht beschädigt, die Lastenträger oft verletzt.

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genormte Standardpalette mit Euromaßen

Durch die Interventionen europäischer Organisationen und Fachverbände des Transport- und Lagerwesens wurde Ende der 1950er Jahre eine genormte Standardpalette entwickelt. Mit der Festlegung auf das Maß 1200 x 800 mm (Länge mal Breite) als einheitliche Transportpalette, kam es darauf zur Gründung des Europäischen Paletten-Pools, der es Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung europaweit ermöglichte, ihren Warenverkehr effizient zu konzeptionieren – die Euro-Palette war geboren. In der Folge wurden die Maße von Sammel- und Einzelverpackungen mit den Maßen der Tauschpalette vereinheitlicht.

Der Euro-Behälter garantiert einen effizienten Materialfluss

entwicklung_eurobemassung_behaelter_ssi-schaefer_blog_04Die neue Euro-Palette erforderte selbstverständlich auch die Anpassung der Kästen und Behälter, deren Bedarf im Zuge der Mechanisierung und Automatisierung im gesamten Güter- und Materialfluss immer weiter anstieg. Es wurden geeignete Kästen entwickelt, zuerst Stapelkästen aus Stahlblech, später auch aus Kunststoff, deren Abmessungen exakt auf die Grundmaße der Euro-Palette angepasst waren. Sie garantierten eine reibungslose Eingliederung der produzierten Teile in den Betriebsprozess, um diese effizient puffern, lagern und transportieren zu können.

klt_behaelter_kleinteilelagerung_systemDie stark wachsende Automobilbranche ist Ende der 1980er Jahre Triebfeder einer weiteren erfolgreichen Standardisierung von Behältern. Der Mangel einheitlicher Standards der von den Automobilherstellern verwendeten Behältersystemen hatte einen negativen Einfluss auf die gesamte Logistik, sowohl der Automobil- als auch der Zulieferindustrie: Die Kosten waren hoch und die logistische Leistungsfähigkeit sehr gering. Der Behälter wurde als signifikantes Bindeglied in der Supply-Chain erkannt und der Arbeitskreis Behälterstandardisierung des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA) begann 1986 einen neuen Behältertypen zu definieren.

Kleinladungsträger KLT – Genormter Behälter für die Automobilindustrie

VDA Norm 4500 KLT-Behälter (Kleinladungsträger System)

Als erstes Ergebnis präsentiert der Arbeitskreis 1989 mit der VDA Norm 4500 eine unverbindliche Empfehlung für „ein einheitliches, mechanisch und manuell handhabbares Kunststoff-Kleinladungsträger-System für schütt- und setzbares Gut“. Der Kleinladungsträger (KLT) passt mit den Grundflächenmaßen 600 x 400 mm, 400 x 300 mm sowie 300 x 200 mm perfekt auf die Euro-Palette und erlaubt eine platzsparende und sichere Beladung. Neben fünf unterschiedlichen Höhen sind diverse Ausstattungsmerkmale wie beispielsweise Stapelrand, Kartentaschen und Griffe sowie bestimmte Handling-Anforderungen definiert. Für die Herstellung von KLT-Behältern muss eine Zulassung des VDA vorliegen, welcher zudem die Einhaltung der Normen überwacht.

Der KLT ist eine Erfolgsgeschichte: Über 100 Millionen der einheitlichen Behälter wurden in den letzten 25 Jahren in Umlauf gebracht, die Norm vom zuständigen VDA Arbeitsgremium (heute: VDA-CoC-Packaging) immer wieder überarbeitet, aktualisiert und erweitert – ein dynamischer Prozess, der in enger Abstimmung mit Automobilunternehmen, Zulieferern und Herstellern für Lager- und Logistikprodukte bis heute besteht und auch zukünftig fortgesetzt wird.

Angelehnt an die VDA-Empfehlungen, entstanden in der Folge ganze Modulreihen unterschiedlichster Behälter- und Kästentypen, mit modular auf die Europaletten abgestimmten Grundmaßen. Das Anforderungsspektrum der Behältereigenschaften wurde kontinuierlich auf die Bedürfnisse anderer Branchen und Anwendungszwecke ausgeweitet.

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Effizienzsteigerung durch standardisierte Behälter

Die stete Optimierung der Prozesse im Materialfluss und in der Supply-Chain bilden das Fundament für eine effiziente Intra- und Transportlogistik.In  Anbetracht der zunehmenden Umschlagschnelligkeit und den rasanten industriellen und technischen Entwicklungen bekommen logistische Faktoren immer mehr Gewicht in der unternehmerischen Gesamtbilanz. Heutige Herausforderungen meistern Unternehmen über die Schlagworte Flexibilität und Skalierbarkeit. Die stete Optimierung der Prozesse im Materialfluss und in der Supply-Chain bilden das Fundament für eine effiziente Intra- und Transportlogistik.

rfid_behaelterBehälter in der Logistik haben bewiesen, dass sie durch eine kontinuierliche Anpassung in der Lage sind, alle Anforderungen der pulsierenden, industriellen Umwelt zu erfüllen. Selbst in Zeiten des Internets der Dinge sind sie keine fossilen Überbleibsel vorheriger Entwicklungsstufen, sondern nehmen aktiv am Geschehen teil. Mit Transponder (RFID), Barcodes und Codierleisten ermöglichen einen direkten Zugang zur digitalisierten und informationsbestimmten Arbeitswelt der Industrie 4.0 – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

 

SSI Schäfer ist vom VDA lizensierter Hersteller für KLT-Behälter.
Alle Informationen zu unserem KLT-Sortiment und anderen Eurobehältern.

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