Der versteckte Nutzen einer WMS-Einführung

RechenmaschineJa, es stimmt. Die meisten Software-Projekte überschreiten den geplanten Zeit- und Kostenrahmen. Die Erfahrung zeigt, dass diese Verzögerungen ihre wahre Ursache häufig an der Schnittstelle zwischen Anwender und Anbieter haben. Das fängt bei der unterschiedlichen „Sprache“ an und hört bei nicht gemachten Hausaufgaben auf.

Trotzdem sind auch die vermeintlichen Katastrophenprojekte rückblickend fast ausnahmslos ein Erfolg. Dies liegt nicht zuletzt am versteckten Nutzen, der in jedem Projekt zu Einführung eines WMS (Warehouse-Management-System) entsteht.

Vordergründig geht es bei WMS um die automatische Verwaltung von Beständen und Aufträgen – meist in Verbindung mit einer (teil-) automatisierten Distributionsanlage. Die bei der Einführung häufig auftretenden Probleme stehen paradoxerweise bereits für den ersten versteckten Nutzen eines WMS-Projektes.

Die Abbildung von Abläufen in einer Software – um nichts anderes geht es bei einem WMS – befördert schonungslos alle Prozessschwächen ans Tageslicht. Jede der noch so kleinen Unklarheiten, fehlenden Festlegungen oder widersprüchlichen Abläufe bringt die Software ins Stolpern. Dadurch werden diese Schwächen auf einmal transparent. Denn manuelle Prozesse, also wir Menschen, sind nun einmal perfekt im Umgang mit Unvorhergesehenem und Unbestimmtem. Deshalb geht mit dem schönen neuen WMS scheinbar zunächst einmal „nichts mehr“. Und deshalb sind WMS-Projekte immer mit großen Aha-Erlebnissen und umfangreichen Prozessverbesserungen verbunden. Das sind Verbesserungen und damit Potentiale, die ohne das WMS-Projekt nicht angegangen worden wären.

Warehouse Management SystemDoch die Einführung eines WMS leistet auch an anderer Stelle viel mehr als gemeinhin bekannt. Damit ein WMS richtig funktioniert, müssen nicht nur alle Abläufe klar sein, sondern auch alle Daten zur Verfügung stehen. Und genau hieraus leiten die meisten WMS-Anwender einen weiteren großen Nutzen ab. Die durch das WMS zusammengefassten Daten erlauben bessere Analysen und Erkenntnisse über das eigene Geschäft. Sowohl in Bezug auf die verteilten Waren als auch über die Abläufe und damit verbundenen Aufwände.

Das heißt, ein WMS-Projekt bringt für den Anwender in zwei Schüben einen Nutzen, der in keinem Pflichtenheft und – zum Glück für ihn – auch auf keiner Rechnung steht. Der erste Schub ist die Prozessverbesserung in der unmittelbaren Einführungsphase eines WMS. Der zweite Schub ist langfristiger und baut auf den neuen Analysemöglichkeiten durch den „Datenschatz“ der WMS-Datenbank auf. Ein Feld, das meines Erachtens von vielen WMS-Anwendern längst noch nicht ausgeschöpft ist.

Was sind nun die Schlussfolgerungen? Bereits im Vorfeld eines WMS-Projektes empfiehlt sich eine kritische und vor allem gründliche Analyse der Prozesse im Distributionszentrum. Insbesondere auf alle Sonderfälle („was passiert eigentlich wenn…?“) ist hierbei ein besonderes Augenmerk zu legen. Um langfristig vom neuen Werkzeug WMS zu profitieren, sollte bereits mit dem WMS-Kauf auch eine mehrjährige Vereinbarung über laufende, gemeinsame Datenanalyse und weitere Prozessverbesserung abgeschlossen werden. Sie werden sehen, dass dies Ihre Einkaufsmaßnahme mit dem wahrscheinlich höchsten ROI überhaupt sein wird.

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